Wie bekommt man Diabetes?
Ursachen des Typ-2-Diabetes
Bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes spielen mehrere Ursachen bzw. Auslöser eine Rolle. Dazu gehören u. a.:
- genetische Faktoren
- körperliche Einflüsse (Alter, Blutzucker, etc.)
- Verzehr ungesunder Genussmittel (z.B. Alkohol oder Rauchen)
- Übergewicht und Bewegungsmangel
- eine verminderte Insulinempfindlichkeit (Insulinresistenz)
- eine gestörte Ausschüttung von Insulin
- sowie eine gestörte Produktion bestimmter Darmhormone.
Um die Gründe für Typ-2-Diabetes zu verstehen, ist es hilfreich, sich den Zuckerstoffwechsel genauer anzuschauen.
Blutzucker bei Gesunden
Kohlenhydrate werden durch die Verdauung soweit abgebaut, dass sie in Form von Zucker bzw. Glukose von den Schleimhautzellen im Dünndarm aufgenommen und in das Blut abgegeben werden. Das Blut transportiert die Glukose zuerst in die Leber und danach zu den einzelnen Zellen von Organe und Gewebe. Gelangt Glukose ins Blut, steigt der Blutzuckerspiegel an und die Bauchspeicheldrüse gibt verstärkt Insulin ab.
Insulin sorgt dafür, dass die Glukose als Energiespender in die Zellen eingeschleust wird und sich dadurch der Blutzuckerspiegel wieder absenkt. Alle Zellen verfügen auf ihrer Oberfläche über viele Insulinrezeptoren. Insulin ist dabei der „Schlüssel“, der die Zellen für die Glukose aufschließt. Glukagon, der Gegenspieler des Insulins, wird von der Bauchspeicheldrüse vermehrt ausgeschüttet, wenn sich im Blut wenig Zucker befindet (niedriger Blutzuckerspiegel). Glukagon bewirkt, dass in der Leber vermehrt Glukose gebildet (Glukoneogenese), ins Blut abgegeben und dadurch eine Unterzuckerung verhindert wird. Durch das Zusammenspiel der beiden gegensätzlich wirkenden Hormone ist der Körper normalerweise in der Lage, ohne große Schwankungen die Versorgung des Körpers mit Glukose, d. h. mit Energie, zu gewährleisten.
Zuckerstoffwechsel einfach erklärt

Blutzucker bei Diabetes
Diabetes Typ 2 entwickelt sich schleichend und meist über viele Jahre hinweg. In der Anfangsphase der Erkrankung produzieren die Zellen der Bauchspeicheldrüse noch genügend Insulin. Mit der Zeit aber werden die Zellen der Muskeln, der Leber und des Fettgewebes unempfindlicher gegenüber Insulin (Insulinresistenz). Das bedeutet, dass das Hormon immer weniger in der Lage ist, den Zucker aus dem Blut in die Zellen einzuschleusen. Als „Antwort“ versucht die Bauchspeicheldrüse diese Störung durch eine verstärkte Insulinproduktion auszugleichen. Die Insulinmenge im Blut der Betroffenen kann daher in dieser Phase der Erkrankung durchaus normal, manchmal sogar erhöht sein. Zunächst zeigt sich ein überhöhter und verlängerter Blutzuckeranstieg nach der Zufuhr von Kohlenhydraten (gestörte Glukosetoleranz). In diesem Stadium ist der Diabetes Typ 2 mit Bewegung, Gewichtsabnahme und ggf. zusätzlich Tabletten häufig noch gut in den Griff zu bekommen. Ebenso wirkt sich die Vermeidung weiterer Risikofaktoren wie z.B. übermäßigen Alkoholgenuss oder Rauchen positiv auf den Behandlungserfolg aus.
Nach vielen Jahren der ständigen Insulin-Mehrproduktion lässt die Funktion der insulinproduzierenden Zellen zunehmend nach und die Insulinproduktion kommt schließlich völlig zum Erliegen. Dann muss sich der/die Betroffene das Insulin von außen zuführen, d. h. Insulin spritzen. So wird aus dem relativen Insulinmangel zu Beginn des Diabetes Typ 2 (Insulinresistenz) ein absoluter Insulinmangel. Ein Mangel an Insulin bedeutet, dass immer weniger Glukose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, sodass die Blutzuckerwerte ansteigen und schließlich das Vollbild Diabetes erreicht ist.

Mangel an Darmhormonen als Ursache eines gestörten Zuckerhaushalts
Bei Typ-2-Diabetes kommt hinzu, dass bestimmte körpereigene Darmhormone, wie das GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1), nicht in ausreichendem Maße gebildet werden. GLP-1 wird im Darm produziert und bei der Nahrungsaufnahme ins Blut freigesetzt. Es wird jedoch relativ rasch durch ein Enzym namens DPP-4 (Dipeptidylpeptidase-4) im Körper abgebaut.
Das GLP-1-Hormon wirkt regulierend auf den Zuckerstoffwechsel, in dem es die Produktion von Insulin in der Bauchspeicheldrüse anregt, die Produktion von Glukose hemmt, die Entleerung des Magens verzögert und das Sättigungsgefühl stimuliert. Ein Mangel an GLP-1 ist somit die Ursache einer gestörten Zuckerverwertung im Körper.
Die Funktion der Niere
Die Niere erfüllt drei Schlüsselfunktionen im Glukosestoffwechsel: Sie produziert selbst Zucker, genauer Glukose, verwertet aber auch Glukose für den eigenen Stoffwechsel und sie ist verantwortlich für das Zurückgewinnen (Rückresorption) großer Mengen an Glukose aus dem Harn.
Letzteres ist der entscheidende Punkt: Beim gesunden Menschen ist diese Rückgewinnung ein wichtiger Mechanismus. Denn er verhindert, dass der Blutzucker mit dem Urin ausgeschieden wird und somit dem Körper als wertvoller Energielieferant zur Aufrechterhaltung der Körperfunktionen verloren geht.
Doch bei Patient:innen mit Typ-2-Diabetes besteht bekanntlich ein Überfluss von Zucker im Blut. Zudem ist paradoxerweise bei Typ-2-Diabetiker:innen die Rückresorption von Blutzucker erhöht. Der Grund: Das für die Rückgewinnung zuständige Eiweiß SGLT-2 kommt bei Betroffenen häufiger vor. Die Niere entzieht dem Urin daher den eigentlich auszuscheidenden Zucker und ist somit bei Typ-2-Diabetiker:innen für einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel mitverantwortlich.
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